Anstalt Irsee

Informationsraum und Gedenkstätte

Historischer Hintergrund

Von 1849 bis 1972 befand sich in den Räumlichkeiten des säkularisierten Benediktinerklosters Irsee eine Heil- und Pflegeanstalt. Als Zweigstelle der ehemaligen „Bayerischen Heilanstalt für Geisteskranke in Kaufbeuren“ war sie in der NS-Zeit aktiv an „Euthanasie“-Aktionen beteiligt: 1940 und 1941 wurden 400 Patientinnen und Patienten von Irsee aus in die T4-Tötungsanstalten Grafeneck (Württemberg) und Hartheim (bei Linz) deportiert und dort ermordet. Bis Kriegsende starben hunderte weitere Personen an Mangelernährung („E-Kost“) oder Medikamentengaben. 1972 wurde die Zweigstelle Irsee des heutigen Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren auf Grund baulicher Mängel geschlossen. Mit der Wiedereröffnung von Kloster Irsee als Tagungs-, Bildungs- und Kulturzentrum des Bezirks Schwaben setzte 1981 die lokale Gedenk- und Erinnerungsarbeit ein, die ständig intensiviert wurde.

 

Informationsraum

Im Informationsraum „Anstalt Irsee“ lernen Sie die Geschichte der Anstalt kennen. Die Ausstellung ist chronologisch in drei Abschnitte gliedert: Von der Gründung 1849 bis zum Regimewechsel 1933, die Zeit des Nationalsozialismus 1933 bis 1945, die Nachkriegszeit der Anstalt und die Gedenkkultur bis heute. Originale Exponate, Faksimiles historischer Dokumente und Fotografien nehmen Sie mit in die lokale Psychiatriegeschichte.

Über die Beschäftigung mit der „Anstalt Irsee“ erhalten Sie Einblicke in den Alltag von „Irrenpflegern“ und stoßen auf Biographien von Patientinnen und Patienten sowie auf die Lebensläufe der Anstaltsdirektoren. Sie werden feststellen, dass über hundert Jahre alte therapeutische Konzepte erstaunlich aktuell sind. Gleiches gilt für ethische Fragestellungen, die sich wie ein roter Faden durch die Psychiatriegeschichte ziehen.

 

Gedenkstätte

Seit Mitte der 1990-er Jahre dient die ehemalige Prosektur der Anstalt als Gedenkstätte für die Opfer der NS-„Euthanasie“-Verbrechen in Irsee. Neben dem historischen Anstaltsfriedhof und modernen „Stolpersteinen“ lädt die im historischen Zustand belassene Gedenkstätte dazu ein, die Opfer der NS-Patientenmorde zu ehren und ihre Familienangehörigen darin zu bestärken, sich ihrer Verwandten zu erinnern.

 

Digitale Angebote

Die Webpage „Anstalt Irsee“ wie die gleichnamige App können im Internet besucht bzw. kostenlos heruntergeladen werden. Die App „Anstalt Irsee“ korrespondiert mit der Ausstellung zur Psychiatriegeschichte und bietet zusätzliches Film-, Bild- und Audiomaterial.

 

Literatur

Das in Kloster Irsee beheimatete Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags hat in seiner Schriftenreihe IMPULSE zahlreiche Studien zur Psychiatrie-Geschichte von Irsee und zu den hier verübten Verbrechen publiziert. Das Schwäbische Bildungszentrum hat Bände zur psychiatrischen Baugeschichte von Kloster Irsee veröffentlicht.

 

Veranstaltungen

Die Gedenkveranstaltung „Lichter gegen das Vergessen“ zu Ehren der Irseer Opfer der NS-„Euthanasie“ findet jährlich am Allerheiligentag (1. November, 16.30 Uhr) auf dem ehemaligen Anstaltsfriedhof hinter der Klosterkirche statt. Über weitere Bildungsangebote für unterschiedliche Zielgruppen informieren das Bildungswerk des Bayerischen Bezirketags (www.bildungswerk-irsee.de), die Schwabenakademie Irsee (www.schwabenakademie.de) und das Schwäbische Bildungszentrum Irsee (www.kloster-irsee.de).

 

Öffnungszeiten
Der Anstaltsfriedhof und die Stolpersteine sind jederzeit frei zugänglich, die Gedenkstätte Prosektur und der Informations- und Ausstellungsraum zu den Öffnungszeiten des Schwäbischen Bildungszentrums Kloster Irsee. Schließzeiten können über die Rezeption (Tel. 08341 / 906 00) erfragt werden.

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